Mittwoch, 26. Juli 2006: Start

1. Tag: Aarau – Langenthal – Sumiswald – Thun – Zweisimmen
144.4 Kilometer, ca. 900 Höhenmeter, Mittel 22.7 km/h, Fahrzeit 6:24h

Danach starteten wir. Ganz langsam. Ich war erfreut, dass Marcel vorne nicht so schnell fuhr. Wahrscheinlich muss man eben so fahren, damit es bis Nizza reicht – wie beim erfahrenen Bergwanderer, der relativ langsam startet, das identische Tempo dann aber bis zum Schluss durchhält. Wir fuhren Richtung Zofingen und kamen später dort an. Das Wetter entwickelte sich für uns relativ erfreulich: es waren Wolken aufgezogen, die uns ein wenig Schatten spendeten, sehr schön!

Schon bald fiel auf, dass der Sattel von Georg für solch eine lange Strecke viel zu hoch gestellt war. Leider liess der Rahmen seines Velos nicht zu, den Sattel tiefer zu stellen. Wir kamen zum Schluss, dass das Rad zu einem Händler gebracht werden musste, der ein Stück des Rahmens absägen konnte. So entschieden wir uns, in Langenthal anzuhalten und einen Händler zu suchen. Leider waren die Velo-Geschäfte «geschlossen»: sie sahen derart geschlossen aus, dass niemand den Versuch wagte, die Tür zu öffnen. Ein Fehlentscheid, denn zumindest ein Geschäft musste trotzdem offen gewesen sein :).

Der Hitzetag schien immer mehr einer von «Wolken» geprägter. Am Horizont sah es mittlerweile düster aus. Sehr düster sogar. Blauer Himmel war dort nicht mehr zu sehen, jedoch begann man Donnergrollen zu hören. Da schien etwas auf uns zuzukommen... unbeirrt davon setzten wir unsere Fahrt fort, sie sollte ab Langenthal durchs Emmental nach Burgdorf führen.

Leider kamen wir dort nie an. Die Wegweiser hatten uns irgendwie in die Irre geführt. Ich meine, Wegweiser lesen sollte kein Problem sein, auch in Frankreich gab es nie mehr solche Probleme. Doch da schien irgendwas schief gelaufen zu sein: «Burgdorf» verschwand auf einmal von den Wegweisern, nachdem wir ihnen längere Zeit gefolgt waren. Wir waren plötzlich im Niemandsland und hatten uns verfahren. Man merkte es Marcel deutlich an, dass er sich aufregte. Dieses «Bern-Gestürm» sei einfach eine Katastrophe. Wir mussten nach dem Weg fragen und erfuhren so die zu fahrende Richtung nach Thun. Damit nicht genug, es begann nun auch noch zu tröpfeln! Das allein wäre ja noch schön gewesen, aber aus dem Tröpfeln wurde bald starker Regen!

Bei einer Tankstelle in Sumiswald stoppten wir, mittlerweile vollkommen durchnässt. Blauer Himmel liess sich keiner mehr blicken. Aus dem vermeintlich schönen und «bestialisch» heissen Tag war ein total trüber, verregneter Tag mit tief hängenden Wolken geworden. Damit nicht genug: es wurde auch noch immer kälter. Wir mussten daher bereits viel früher von Jacken und Stulpen Gebrauch machen, als ich mir gedacht hatte... deshalb hatte ich das alles auch ganz zu unterst im Rucksack vergraben.

Angekommen in SumiswaldNicolasAlles angezogen!
Angekommen in Sumiswald
26. Juli 2006, 13:16:48
Hier waren wir – vollkommen unerwartet – total verschifft worden.

Nicolas
26. Juli 2006, 13:17:44
Kein Kommentar.

Alles angezogen!
26. Juli 2006, 13:19:49
Mit aller zur Verfügung stehenden Schutzkleidung gegen Nässe und Kälte ging es weiter!

Fast nicht zu glauben, wir sehnten uns nach ein paar wärmenden Sonnenstrahlen. Doch das Wetter blieb vorerst sehr schlecht, fast als ob der ganze bisherige Sommer nie anders gewesen wäre. Vom Vordermann spritzte einem so das Wasser noch längere Zeit ins Gesicht, und auch mein Bike-Computer begann aufgrund der Nässe den Geist aufzugeben. Ich kriege davon beinahe eine Krise, aber das Teil liess sich dann zum Glück wieder in Betrieb setzen. Es lag «nur» am Wasser, das zwischen den Kontakten eingedrungen war. Mit regelmässigem Trockenwischen konnte das Problem behoben werden. Ausgerechnet jetzt, bei so eine Tour, durfte doch der Bike-Computer nicht aufgeben!

Erst vor Thun begann sich der Himmel zu lichten. Der Regen hatte aufgehört, und wir durften endlich wieder wärmende Sonnenstrahlen geniessen. Die Kleider trockneten bis Thun noch ein wenig, doch wir kamen trotzdem noch nass an. Aufgrund des dort guten Wetters konnten wir sogar wieder draussen essen: die Mittagspause stand an. Wir hatten Hunger und Lust nach was anderem als Riegeln! «Ich nehme:» und dann folgte eine nicht mehr aufhörende Liste.

In der Zwischenzeit konnte Georg seinen Rahmen absägen gehen, so dass der Sattel nun tiefer gestellt werden konnte. Der dortige Händler hatte das alles sogar kostenlos gemacht! Ich glaube, ich gehe nur noch nach Thun, wenn ich einen Velohändler suche! Der ganze Velo-Rahmen sei übrigens richtiggehend mit Wasser gefüllt gewesen. Das verwunderte nach diesem Regen auch nicht wirklich. Neben dem abgesägten Rahmen brachte er für alle noch eine Menge Riegel mit, die bis zum Schluss ausreichen sollten.